Jack Daniel's Sinatra Select - der beste Bourbon?

Heute gibt es einen ganz besondere Tropfen, meinen wirklich absoluten Lieblingsbourbon.

Den Jack Daniels Sinatra Select, eine Sonderabfüllung zum 100jährigen Geburtstag von Frank Sinatra.

Sinatra war der wohl größte Fan von Jack Daniels und so etwas wie der erste Markenbotschafter der Geschichte. Er wurde am 12.12.1915 in Hoboken New Jersey geboren und starb im Alter von 82 Jahren am 14.05.1998 in LA.



In Los Angeles am Flughafen war auch tatsächlich das erste Mal, dass ich den JD Sinatra Select probieren konnte. Zuvor wurde er ausschließlich am Flughafen in Las Vegas, quasi Sinatras geheimer Heimatstadt verkauft, bevor er dann an weiteren großen Flughäfen sowie in Lynchburg und dann später im normalen Handel angeboten wurde. Wir waren auf dem Rückflug von einem mehrwöchigen Aufenthalt in Kalifornien und beim Durchforsten der Duty Free Specials wurde mir der Sinatra empfohlen. Damals hatte ich schlicht keinen Platz mehr im Handgepäck sonst hätte ich diese monströse Flasche direkt mitgenommen.


Was kann man alles über diesen Whiskey und diese Legende erzählen:

Sinatra war – relativ unbestreitbar – einer der größten Entertainer aller Zeiten. Er gehörte zum berüchtigten Rat Pack zusammen mit Sammy Davis Jr., Dean Martin, Joey Bishop, Peter Lawford und Shirley MacLain.


Das Rat Pack war damals eine Gang aus Schauspielern, Entertainern und Musikern, die mit ihren Shows im weitesten Sinne Entertainment anboten. Es wurde auf der Bühne gesungen, getanzt, Sketche dargeboten und Witze erzählt.

Das Rat Pack war dermaßen bekannt und wichtig, dass sogar die damals noch herrschenden Grenzen der Apartheid aufgelockert wurden. Als diverse Hotels noch eine strikte "No Blacks" Politik verfolgten, jedoch das Rat Pack aus PR Gründen als Gäste unbedingt haben wollte, war die Forderung des Packs relativ klar. Entweder wir wohnen alle hier oder niemand. Und so wurden die Restriktionen gelockert. Allein das zeigt schon, welche Wichtigkeit das Pack und seine Mitglieder damals hatten.


Ohne Frank Sinatra wäre das legendäre Rat Pack wohl nicht so berühmt geworden, doch Frank Sinatra war nicht einfach nur ein Mitglied einer Gruppe sondern der heimliche Star. Er prostete in seinen vielen erfolgreichen Jahren immer dem Publikum mit einem Glas Jack Daniels zu..


Er promotete den Whiskey aus Tennessee nicht wegen eines Werbevertrags, sondern aus eigener Überzeugung.


Die Story von Frank Sinatra und Jack Daniels beginnt wie jede andere Freundschaft:

Man wurde einander vorgestellt. Frank war an der Bar mit dem Entertainer Jackie Gleason. Das ganze fand statt während der goldenen Zeit der Cocktails, Konversation und Männerfreundschaften. Die beiden sprachen über Gott und die Welt, das Leben, die Arbeit, Frauen. Es war eine der Nächte, die nach einem richtigen Whisky verlangten.Und Jackie fragte Frank: "Hast du schon einmal Jack Daniels probiert?"


Von diesem Abend an waren Frank und Jack Kameraden, die für die nächsten 50 Jahre um die Welt reisten. In Franks Privatflugzeg war immer eine ganze Ladung an Jack verstaut.


In den 1950er war die Jack Daniels Destillerie noch sehr klein und wurde erst langsam entdeckt. Darum war es nicht immer einfach an Nachschub zu kommen.

Aber einen Frank Sinatra konnte man natürlich nicht einfach wegschicken.


Die Jack Daniel's Destille in den 1950ern. Quelle: hippostcards.com


Also schnappte sich Frank den damaligen Verkäufer von Jack Daniels, Angelo Lucchesi.

Jack verpasste ihm den Spitznamen "The Kid" und erklärte ihn zu einem Freund auf Lebzeiten, als Lucchesi ihm die erste Lieferung brachte, damals an die Copacabana.


Frank Sinatra mit Angelo Lucchesi Quelle: youtube.com


Frank machte aus Jack Daniels eine Marke von zeitlosem Stil. Dadurch, dass er in den ganzen USA unterwegs war und Jack quasi freiwillig promotete, wurde Jack bald von LA nach New York bekannt.

Aber Frank trank Jack nicht einfach irgendwie. Es gab ein bald sehr bekanntes Ritual.

Für jeden Drink ließ er eine komplett neue, versiegelte Flasche öffnen. Als Glas diente ihm immer ein Kristalltumbler mit Eis.

Drei Würfel reinsten Eises.

Zwei Finger breit Jack.

Dann Wasser.

Und dann prostete er zu mit den Worten "This is a gentlemans drink. This is nice."


Und so verschmolzen die beiden zu einer Einheit. Wo Frank war, war Jack.

Dean Martin textete seinen Song "You're the best thing that ever happened to me" um und sang übersetzt "Er ist der Junge, der die Anleitungen zum Genuss von Jack Daniels schreibt"

Vier Jahrzente später brachte Jack zu Franks letztem Geburtstag eine Flasche heraus, auf der die Namen von allen Rollen eingraviert waren, die Frank jemals gespielt hatte.

Und als Frank diese Welt verließ sorgte seine Familie dafür, dass er eine Flasche Jack mit in seinen Sarg bekam.

Also schauen wir uns diesen Gentlemans Drink mal an.


Er kommt in einer massiven Verpackung daher, das Ganze Ding wiegt Locker dreieinhalb Kilo. In der Verpackung ist der Whisky in einer massiven 1 Liter Flasche mit extrem dicken Boden. Dazu ein Booklet und sogar noch eine Einladung in den Gentlemans Club von Jack. Jack sagt es sei eine limitierte Abfüllung, genaue Zahlen konnte ich hierzu aber nicht finden.

Was macht den Sinatra Select also so besonders?

Dabei muss man sich insgesamt fragen, wie sich die Bourbons überhaupt groß voneinander unterscheiden können, denn viel Spielraum ist da eigentlich nicht.

In den USA ist vorgeschrieben, dass Whiskeyfässer nur für eine einzige Füllung benutzt werden dürfen. Alle haben die gleichen Fässer, auch das ist vorgeschrieben. Amerikanische Weißeiche. Es darf auch nicht gefärbt werden.


Wie kann man einen Whiskey also von den anderen abheben?

Durch die Lagerung in den Fässern, die man besonders vorbehandelt.

Die Fässer für Bourbon werden ausgebrannt. Man geht mit einer Flamme ins Fass. Brennt man sie Stärker und länger aus, gibt es eine stärkere Holzkohleschicht im Fass, was die harten scharfen Aromen im Rohbrand reduziert. Jack Daniels filtert auch z.B. Den Gentleman Jack durch Aktivkohle, dadurch ist der so weich.


Die Fässer werden also ausgebrannt, Fachbegriff "getoasted", dabei verwandelt sich die Cellulose im Holz in Zucker, der wiederum in Karamell, und davon geht einiges in den Whiskey. Ebenso bekommt man dadurch eine angenehme leichte Rauchnote, allerdings nicht zu vergleichen mit getoastetem Malz.


Master Distiller Jeff Arnett entwickelte ein Verfahren für die Daniels Sinatra Select Abfüllung.

Der Sinatra Select reifte länger als der reguläre Jack Daniels No.7. Einzigartig sind die eigens für den Jack Daniels Sinatra Select hergestellten Fässer. Die Sinatra Barrels aus Eiche wurden auf der Innenseite mit tiefen Einkerbungen versehen. Diese ermöglichen dem New Make Spirit mehr Kontakt mit dem getoasteten Fassholz. In diesen speziellen Eichenfässern gelagert, entwickelte der Sinatra Select einen wunderbaren Eichenton mit einem würzigen Aroma und weichen Vanillenoten. Er hat dabei Kontakt mit getoastetem und ungetoastetem Holz.


Farbe:

Goldbraun mit rötlichen Reflexen.


Duft:

deutliche Noten von Eichenholz in der Nase. Sie kommen von der außergewöhnlichen Fasslagerung. Die Holznote wird ergänzt um fruchtige Äpfel und einer weichen, sanften Honig Süße, Karamell und Vanille. Auch etwas fruchtige Noten wie Kiwi und Orangenschale sowie Kräuternoten. Ganz leichte Kohle und Rauch, aber wirklich sehr sehr leicht.


Geschmack:

Starker Antritt, aber zart und weich. Aber voll da. Karamell, Süße, Orangenschalen und Rauch bringen eine wahnsinnige Weichheit und trotzdem eine massive Stärke.

Dann kommt langsam Eichenholz und Muskat sowie getreidiges Aroma. Abgerundet von Vanille und Zitrusfrüchten.

Wenn der starke Start ein wenig nachlässt kommen Fruchtige Aromen wie Honigmelone, Banane und Pfirsich.


Abgang:

Ein laaaanger Abgang. Da kommt noch Vanille und Panna Cotta.

Der bleibt lange und weich im Mund.


I’m for anything that gets you through the night, be it prayer, benzedrine or a bottle of Jack Daniel’s.” – Frank Sinatra


Jack Daniels schreibt:

"This is a Whiskey for a man who drank deeply of life and lived withouth hesitation or compromise."

Das ist ein Whiskey für einen Mann, der einen tiefen Schluck aus dem Leben nahm und ohne Zögern und Kompromisse lebte.


Stimmt.